Bourbon Update

Was ist das Bourbon Update?

Jedes Jahr führt Google nach eigenen Angaben mehrere Hundert Änderungen an seinem Algorithmus durch. Die meisten davon bleiben von der großen Masse unbemerkt. Updates, die hingegen einen großen Teil Websites betreffen und zu signifikanten Verschiebungen im Ranking führen, erhalten von der SEO-Community traditionell einen Namen. Eines davon war das sogenannte Bourbon Update, das nur wenige Monate nach dem Allegra Update erfolgte. Es wurde zwischen dem 20. Mai und dem 6. Juni 2005 ausgerollt und war eines der umfassendsten Updates, die Google seit seiner Gründung im Jahr 1998 durchgeführt hat.

Ziele des Bourbon Update

Die Änderungen am Algorithmus zielten vor allem auf die bis dahin noch verbesserungswürdige Erkennung von Spam ab. Websites, die sich auf unlautere Weise Vorteile verschafften, sollte Bourbon erkennen und aus den SERPs filtern. Großen Wert legte Google nun auf die Einhaltung seiner Webmaster-Guidelines. Verstöße wurden infolge des Updates mit schlechteren Rankings bestraft. Mit Bourbon verbesserte Google außerdem die Erkennung von identischen und sehr ähnlichen Inhalten (Duplicate und Near Duplicate Content) im Index. Gleichzeitig sorgte das Update für eine verbesserte Erkennung getauschter beziehungsweise gekaufter Links sowie in Augen Googles illegaler Linknetzwerke, die dazu dienen, einzelne Websites zu pushen. Überdies nutzte der Suchmaschinenbetreiber das Bourbon Update, um die unregelmäßig stattfindende Aktualisierung von Backlinks und PageRank durchzuführen.

Das Bourbon Update im Detail

Der genaue Inhalt des Updates stützt sich nur auf Aussagen aus der SEO-Community sowie der Analyse von Experten. Google selbst äußerst sich üblicherweise nicht zu den konkreten Parametern, die im Algorithmus verändert werden. Als umfangreichste Quelle für das Bourbon Update gilt das “Webmasterwold”-Forum, in dem sich bis heute rund 1.200 Beiträge von SEO-Experten und Betroffenen zu diesem Thema finden. Anhand dieser Beobachtungen und im Nachgang des Updates erfolgter Analysen spezialisierter Unternehmen haben sich die folgenden Faktoren als sichere Bestandteile des Updates herauskristallisiert:

Duplicate Content

Mit dem Bourbon Update hat Google die Fähigkeit des Algorithmus verbessert, doppelte Inhalte (Duplicate Content) sowie ähnliche Inhalte (Near Duplicate Content) zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Und dies nicht nur innerhalb einer einzelnen Domain, sondern über den gesamten Index hinweg.

Konkret heißt das: Veröffentlichen zwei oder mehr Domains identische oder annähernd identische Inhalte, rankt fortan nur eine davon (im Idealfall die, die den Artikel zuerst veröffentlicht hat) zu einem Suchbegriff. Andere Domains, die den Artikel kopiert oder nur leicht abgewandelt veröffentlicht haben, ranken hingegen schlechter oder gar nicht. Der mit Bourbon eingeführte Duplicate Content-Filter erkennt übrigens nicht nur doppelte Texte, sondern auch auf mehreren Domains verwendete Grafiken und Fotos.

Thematisch unpassende Links

Bis zum Bourbon Update war es gängige Praxis beim Backlink-Aufbau jeden möglichen Link zu nutzen, sofern dieser aus einem Spam-freien Umfeld stammt. Dabei war das Thema der linkgebenden Seite zweitrangig oder spielte gar keine Rolle. Hier zählten in erster Linie die Metriken der linkgebenden Website wie ihr PageRank und die Anzahl der Backlinks. Mit Bourbon wurde der Algorithmus in die Lage versetzt, Backlinks auf den thematischen Zusammenhang zu überprüfen. Links, die von thematisch unpassenden Seiten stammen, wurden fortan abgewertet oder vom Algorithmus ignoriert.

Beispiel

Eine Bienenzüchter-Website verlinkt auf einen Shop für Kfz-Zubehör. Dieser Link wird von Google seit Bourbon als thematisch unpassend angesehen. Passend wäre: Eine Website zum Thema Rezepte verlinkt auf einen Hersteller von Töpfen und Pfannen oder einen Produzenten von Lebensmitteln.

Linknetzwerke

Vor dem Bourbon Update nutzten einige Webmaster die Möglichkeit, sich ein eigenes Linknetzwerk aufzubauen, um ihre Haupt-Website mit Backlinks zu versorgen. Dieses bestand vorzugsweise aus vielen kleinen “Satelliten“-Websites, die nur wenige Inhalte aufwiesen und auf die Haupt-Domain verlinkten. Mit Bourbon gelangt es dem Algorithmus besser, diese Form von Linknetzwerk zu identifizieren und die daraus generierten Backlinks gezielt abzuwerten.

Es konnte aber auch sein, dass Google das Verwenden von Linknetzwerken als gezielte Manipulation und somit als Verstoß gegen seine Webmaster-Guidelines ansieht und die Haupt-Website mit einem Penalty bestraft. Diese manuelle Strafmaßnahme zeigt sich in einem für eine gewisse Zeit schlechteren Ranking oder – im schlimmsten Fall – einer De-Indexierung der Website.

Kritik am Bourbon Update

Die Art der Durchführung und das Resultat des Updates sorgte in der SEO-Community für Aufruhr und lautstarke Kritik an Google.

Ein großer Kritikpunkt war die Dauer des Updates. Der gesamte Rollout von Beginn bis zur Beruhigung des Index zog sich über mehrere Wochen hin. Während dieser Zeit sorgte die in mehreren Paketen erfolgte Aktualisierung des Algorithmus immer wieder für starke Verschiebungen, von denen nicht nur Spam, sondern auch legitime Websites betroffen waren.

Für ebenso großen Unmut sorgte die offenbar nicht durchweg optimal funktionierende Erkennung von Duplicate Content beziehungsweise dessen Behandlung. So berichteten zahlreiche Webmaster, dass die von ihnen verfassten Original-Inhalte im Ranking verloren, während sogenannte Scraper (Websites, die Inhalte anderer Websites ohne deren Zustimmung kopieren) ihre ursprünglichen Plätze einnahmen. Nach heftiger Kritik reagierte Google öffentlich und versprach, sich des Problems anzunehmen. Gleichzeitig bat man die Webmaster um Geduld, bis das Update auf allen Google-Servern seine Wirkung entfaltet.

Einige Webmaster kritisierten, dass mit dem Bourbon Update alte Websites, die schon seit geraumer Zeit nicht mehr gepflegt werden, auf die vorderen SERPs gespült wurden. Diese überholten aktuelle Websites, die zum selben Thema gleichwertige oder bessere Inhalte geboten haben. Eine Ursache dürften die besseren beziehungsweise stärkeren und schon länger bestehenden Backlinks der älteren Websites gewesen sein.

Nach dem Update gab es Spekulationen, dass Google AdSense ein Faktor sein könnte, der sich positiv auf das Ranking auswirkt. Ursächlich dafür ist das unmittelbar nach dem Update gute Ranking vieler Scraper, die sich üblicherweise über das Google-Werbenetzwerk finanziert haben. Hierbei handelt es sich allerdings nur um Spekulation, für die es bisher keine Belege gibt.

Namensherkunft

Benannt ist das Bourbon Update nach der bekannten Bourbon Street im French Quarter von New Orleans. Ausgewählt wurde der Name von Brett Tabke, dem Betreiber des Webmasterworld-Forums. Ausschlaggebend für die Namenswahl war die Webmasterworld Conference, die 2005 in der Bourbon Street in New Orleans stattfand.

Ergebnis des Bourbon Updates

Abgesehen von den Kritikpunkten konnte Google mit dem Bourbon Update die Relevanz und somit die Qualität seiner Suchergebnisse stark verbessern. Spam wurde besser erkannt und zuverlässig aus den SERPs ausgefiltert.


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