Google Books

Die Volltext-Suchmaschine Google Books erlaubt es Lesern, Millionen von Büchern und Magazinen in verschiedenen Sprachen mit einem Mausklick zu durchsuchen. Bei Google Books handelt sich um eines der ambitioniertesten Digitalisierungsprojekte der Gegenwart. Die Anfänge des Dienstes reichen bis in die Gründungszeit von Google zurück.

Google Books

Suchergebnis auf Google Books für die Suche nach “SEO Handbuch”

Entstehung von Google Books

Im Jahr 1996 arbeiteten die späteren Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page gemeinsam an einem Forschungsprojekt der Stanford Universität, welches die Digitalisierung von ganzen Bibliotheken vorsah. Zusammen erschufen die Tech-Pioniere eine Art Webcrawler, der dem späteren Google PageRank Algorithmus Vorbild dienen sollte. Dieser Crawler, dem sie den Namen “BackRub” gaben, bestimmte die Relevanz von Buchtiteln anhand der Anzahl der genannten Referenzen in anderen Büchern. Der Grundstein für das spätere Google Books war so bereits früh gelegt. 2004 wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit unter dem Namen “Google Print” auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Pionierarbeit bei der Digitalisierung

Mit ihrem Beitrag leisteten die Google Gründer echte Pionierarbeit. Bevor das Projekt starten konnte, erkundigte sich Larry Page 2002 bei seiner Alma Mater, der University of Michigan, wie lange die Digitalisierung der hauseigenen Universitätsbibliothek dauern würde. Die sehr konservative Schätzung belief sich auf etwa eintausend Jahre für die etwa sieben Millionen Buchtitel der Universität. Larry Page versprach der Universitätspräsidentin Mary Coleman, dass Google nur etwa sechs Jahre dafür benötigen würde. Zusammen mit einem Team von versierten Software-Ingenieuren ertüftelte man neue Scanning-Methoden. Zur Zielsetzung gehörte, dass man alte Papierdokumente schonend einscannen wollte. Die Entzifferung von exotischen Schriftarten sollte für die OCR-Software außerdem kein Problem darstellen. Die Digitalisierung von Papierdokumenten wurde durch das Projekt nachhaltig revolutioniert.

Zusammenarbeit mit Verlagen und Universitäten

Mit dem Start von Google Books im Jahr 2004 schlossen sich zugleich die ersten großen Verlage an. Zu diesen gehörten etwa Blackwell, Cambridge University Press, die University of Chicago Press und Penguin Books. Ebenfalls wurde früh eine Zusammenarbeit mit den renommierten Universitäten Harvard, Oxford, Michigan, Cambridge und Stanford geschlossen. Die Universitätsbibliotheken behalten das Recht an der digitalen Kopie des eingescannten Buches. Zugleich wird es für Forschungszwecke öffentlich auf der ganzen Welt angeboten. Alte Schriften werden bei Google Books auf schonende Weise digitalisiert und bleiben der Nachwelt so erhalten. Verlage und Autoren können Werke über das angeschlossene Partnerprogramm einreichen.

Digitalisierung von Papierdokumenten

Der vollständige Text eines Buches oder Magazines wird bei Google Books eingescannt. Nach dem Scannen wird das Buch wieder an den Urheber zurückgegeben. Eine fortschrittliche OCR-Software wandelt die gescannten Bücher automatisch in eine digitale Kopie um. Kooperiert ein Verlag bereits mit Google, so kann der Scan-Vorgang abgekürzt werden und es wird gleich die digitale Kopie in den Bestand aufgenommen. Der digitalisierte Buchbestand speist sich bei Google Books aus zwei Quellen. Zum einen stammen die Bücher direkt aus dem Partnerprogramm, an dem grundsätzlich jeder Autor oder Verlag teilnehmen kann. Oder sie stammen aus dem Bibliotheksprogramm, dem zahlreiche Universitätsbibliotheken und Bibliotheken in der Welt angehören. Leser können sich anschließend eine kostenlose Vorschau des Buches auf Google anschauen. Diese ist in der Regel auf wenige Seiten limitiert und erlaubt nur eine beschränkte Nutzung des Textes.

Vorteile beim Marketing für Buchautoren und Verlage

Google Books bewirbt das Partnerprogramm mit zwei großen Komponenten, die zahlreiche Vorteile für Autoren und Verlage bieten sollen. Sucht ein potentieller Leser nach einem Begriff auf Google, so wird das digitalisierte Buch bei den Suchergebnissen aufgelistet. Anschließend kann sich der Nutzer das Buch mit Hilfe der Vorschaufunktion ansehen. Die Vorschau ist nur auf wenige Seiten limitiert. Die genaue Anzahl kann durch den Autoren oder den Verlag festgelegt werden. Möchte der Nutzer mehr lesen, so kann er das Buch anschließend entweder bei einem Händler bestellen, der von Google vorgeschlagen wird oder er kann die digitale Kopie im Play Store von Google erwerben.

Google Books Leseprobe

Leseprobe von Google Books. Um alle Inhalte sehen zu können, kann in der linken Sidebar das Buch kostenpflichtig bestellt werden.

Die Vorschau der Bücher verfügt ebenfalls nur über eingeschränkte Nutzungsrechte. So können die einsehbaren Seiten weder kopiert, noch gedruckt oder heruntergeladen werden. Dies ist zum Teil nur bei Büchern möglich, die über das Bibliotheksprogramm eingereicht wurden oder an denen die Urheberrechte verfallen sind.

Rechtliche Situation

Schon kurze Zeit nachdem Google Books an den Start ging, häuften sich in den Vereinigten Staaten die Klagen von Autoren und Verlagen. Nicht wenige Bücher aus dem Bestand wurden ohne ausdrückliche Einwilligung der Autoren und Verlage von Google digitalisiert. Während das deutsche Urheber- und Zitatrecht streng geregelt ist, so gibt es beim amerikanischen Pendant einige Ausnahmen. Das Stichwort lautet Fair Use. Wird einem Zitat ein neuer Zweck verliehen, so langt dies schon für eine Freigabe des Urheberrechtes. Vor dem Obersten Gerichtshof wurde in mehreren Instanzen entschieden, dass Google diese Fair Use Regelung berücksichtigt. Alleine der Umstand, dass Werke zuvor eingescannt und neu veröffentlicht wurden, wird schon als ausreichende Transformation gewertet. Vor einem New Yorker Bezirksgericht wurde 2013 Google erstmals Recht gegeben. Im Jahr 2015 bestätigte ein Bundesberufungsgericht die Gültigkeit dieses Rechtsspruchs. Auch in Europa sah sich Google mit mehreren Rechtsstreitigkeiten konfrontiert. Gegenwärtig wird etwa vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verhandelt, inwiefern Ausschnitte aus Nachrichtentexten auf Google verwertet werden dürfen. Mit einer Erklärung von 2009 versicherte das Unternehmen, das Google Books mit Autoren und deren Vertretern zusammenarbeiten möchte. Und das Werke nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis der Rechteinhaber eingescannt werden dürfen.

Google Play Books App

Inzwischen kann man Google Books nicht nur über die Seite der Suchmaschine erreichen, sondern ebenso als App im Play Store für Android-Geräte erwerben. Dort wurde die App, die unter dem Namen Google Play Books veröffentlicht wurde, fast über 1,5 Millionen Mal heruntergeladen. Wer über ein Apple-Endgerät verfügt, kann die Applikation über den Itunes Store kostenlos herunterladen. Mit Hilfe der App können Millionen Buchtitel durchsucht und anschließend gekauft werden. Das Urheberrecht liegt dabei weiterhin bei den Autoren und Verlagen, worauf Google ausdrücklich hinweist. Der Bestand speist sich aus Büchern, die durch das Partnerprogramm eingereicht wurden. Zusätzlich werden noch DRM-freie Bücher angeboten, die aus dem Bibliotheksprogramm stammen. In vielen dieser Fälle ist das Urheberrecht bereits verfallen.

Zukunft von Google Books

Sprachen einige amerikanische Medien bereits von einem schleichenden Untergang des ambitionierten Digitalisierungsprojektes, so blickt man bei Google wesentlich optimistischer in die Zukunft. Seit Längerem ist zum Beispiel bekannt, dass Google über einen Bestand von etwa 25 Millionen eingescannten Bücher verfügt, die noch nicht zu Google Books hinzugefügt wurden. Erst wollte man bei dem Unternehmen den Ausgang der Gerichtsprozesse abwarten. Die Zukunft von Google Books dürfte somit als gesichert gelten. Besonders die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin sehen sich dem Projekt nach wie vor verpflichtet. Für viele Verlage und Autoren bietet der Dienst zahlreiche Vorteile zur Vermarktung an. Ebenfalls profitieren viele Forscher von Google Books, da sie schon mit wenigen Stichworten eine komplette Volltextsuche durchführen können, was die Suche nach Zitaten erheblich erleichtert. Brancheninsider sprechen davon, dass Google bereits daran arbeitet, die Qualität der alten Scans zu verbessern und bald weitere neue Funktionen vorstellen möchte. Google Books wird auch weiterhin ein nützliches Instrument sein. Einem Platz als Vorreiter bei der Digitalisierung dürfte dem Projekt ohnehin schon sicher sein.


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