Warenwirtschaftssystem (WaWi)

Was ist ein Warenwirtschaftssystem?

Ein Warenwirtschaftssystem, kurz WaWi, ist eine Software zur Steuerung von Warenbeständen, Einkauf, Verkauf, Lager und Auftragsabwicklung. Im E-Commerce verbindet eine WaWi Produktdaten, Bestellungen und verfügbare Mengen zwischen Onlineshop, Marktplätzen, Lieferanten und Versand. Dadurch lassen sich Warenbewegungen zentral erfassen und Prozesse automatisieren.

Ein Warenwirtschaftssystem bildet den Weg einer Ware vom Einkauf über das Lager bis zum Verkauf und zur Retoure digital ab. Die Software führt dazu Stammdaten, Bewegungsdaten und Belege in einer gemeinsamen Datenbasis zusammen. Stammdaten sind etwa Artikelnummern, Lieferanten und Einkaufspreise. Bewegungsdaten entstehen durch Bestellungen, Wareneingänge, Umlagerungen oder Verkäufe.

Aufgaben eines Warenwirtschaftssystems

Ein Warenwirtschaftssystem beantwortet im laufenden Betrieb drei zentrale Fragen: Welche Artikel sind vorhanden, welche Mengen wurden verkauft und wann muss Ware nachbestellt werden? Dafür aktualisiert die WaWi Bestände nach jeder relevanten Buchung. Ein Wareneingang erhöht die verfügbare Menge, eine Reservierung bindet Ware und ein Versand reduziert den physischen Lagerbestand.

Zum typischen Funktionsumfang einer Warenwirtschaft gehören:

  • Artikelverwaltung: Pflege von Artikelnummern, Varianten, Preisen, Lieferanten und Lagerorten.
  • Einkauf: Bestellvorschläge, Lieferantenbestellungen, Wareneingänge und Rechnungskontrolle.
  • Lagerverwaltung: Bestandsführung, Reservierungen, Umlagerungen und Inventuren.
  • Verkauf: Angebote, Aufträge, Lieferscheine, Rechnungen und Gutschriften.
  • Versand und Retouren: Übergabe an Versanddienstleister sowie Rückbuchung zurückgesendeter Ware.
  • Auswertungen: Analyse von Absatz, Lagerumschlag, Einkaufspreisen und Artikelverfügbarkeit.

So funktioniert eine WaWi

Eine WaWi arbeitet mit Buchungen, die einen dokumentierten Geschäftsvorgang auslösen. Gehen 40 Stück eines Artikels ein, erhöht der Wareneingang den Bestand um 40. Reserviert der Onlineshop anschließend fünf Stück für offene Bestellungen, können diese fünf Einheiten nicht erneut verkauft werden. Erst nach Versand oder Stornierung wird die Reservierung in eine Bestandsreduzierung oder Freigabe umgewandelt.

Der verfügbare Bestand wird vereinfacht als physischer Lagerbestand abzüglich reservierter Mengen berechnet. Erwartete Wareneingänge können zusätzlich berücksichtigt werden, dürfen aber erst dann als sofort lieferbar gelten, wenn die Ware tatsächlich verfügbar ist. Prüfe deshalb, ob deine WaWi zwischen physischem Bestand, reservierter Menge, Zulauf und verkaufbarer Menge unterscheidet.

Ein einfacher Meldebestand lässt sich als durchschnittlicher Tagesabsatz multipliziert mit der Lieferzeit zuzüglich Sicherheitsbestand berechnen. Bei acht verkauften Einheiten pro Tag, zehn Tagen Lieferzeit und 20 Einheiten Sicherheitsbestand liegt der Meldebestand bei 100 Stück. Sobald der verfügbare Bestand diesen Wert erreicht, sollte der Einkauf die Nachbestellung prüfen.

Warenwirtschaft im E-Commerce

Im E-Commerce wird das Warenwirtschaftssystem zur Datendrehscheibe zwischen Einkauf, Lager, Shop und Versand. Eine Bestellung aus dem Onlineshop wird an die WaWi übertragen, dort reserviert und anschließend an Lager oder Versand übergeben. Nach dem Versand sendet das System den Auftragsstatus und häufig auch die Sendungsnummer zurück an den Shop.

Verkauft ein Händler über mehrere Kanäle, muss die Bestandsübertragung möglichst zeitnah erfolgen. Ein Artikel mit nur einem verfügbaren Exemplar darf nicht gleichzeitig im eigenen Shop und auf zwei Marktplätzen verkauft werden. Die technische Voraussetzung ist eine Schnittstelle, die Bestellungen, Bestände und Statusmeldungen eindeutig zuordnet und fehlgeschlagene Übertragungen protokolliert.

Für die Auswahl einer WaWi im E-Commerce sind insbesondere folgende Schnittstellen relevant:

  • Onlineshop und angeschlossene Marktplätze
  • Zahlungsanbieter und Buchhaltung
  • Versanddienstleister und Fulfillment-Dienstleister
  • Lieferanten, Einkaufssysteme und Produktdatenquellen
  • Kassensysteme bei zusätzlichem stationärem Verkauf

WaWi, ERP und PIM abgrenzen

Der Unterschied zwischen Warenwirtschaftssystem und ERP liegt im Umfang. Eine WaWi konzentriert sich auf Waren, Bestände und die damit verbundenen Belege. Ein ERP-System, ausgeschrieben Enterprise Resource Planning, kann zusätzlich Finanzwesen, Personal, Produktion, Projektmanagement und weitere Unternehmensbereiche abbilden. Viele Lösungen kombinieren beide Ansätze, weshalb die Produktbezeichnung allein wenig über den tatsächlichen Funktionsumfang aussagt.

SystemHauptaufgabeTypische Daten
WarenwirtschaftssystemWarenflüsse und Bestände steuernArtikel, Einkauf, Lager, Aufträge, Versand
ERP-SystemUnternehmensressourcen über mehrere Bereiche planenWaren, Finanzen, Personal, Produktion, Projekte
PIM-SystemProduktinformationen zentral pflegenBeschreibungen, Merkmale, Medien, Übersetzungen
OnlineshopProdukte präsentieren und Bestellungen annehmenKategorien, Warenkörbe, Kundendaten, Bestellungen

Ein PIM-System ersetzt keine WaWi. Das Product Information Management verwaltet beschreibende Produktinformationen wie Materialien, Maße, Bilder und Übersetzungen. Das Warenwirtschaftssystem verwaltet dagegen Mengen, Einkaufsvorgänge und Aufträge. Prüfe bei jeder Integration, welches System für ein Datenfeld führend ist. Zwei Systeme dürfen beispielsweise nicht gleichzeitig unterschiedliche Verkaufspreise oder Lieferzeiten an den Shop senden.

Relevanz für SEO, SEA und GEO

Ein Warenwirtschaftssystem beeinflusst SEO, SEA und GEO über die Qualität der bereitgestellten Produktdaten. Fehlende Attribute, falsche Verfügbarkeiten oder uneinheitliche Produktbezeichnungen gelangen über Schnittstellen in Kategorien, Produktseiten und Werbedaten. Suchmaschinen und KI-Systeme erhalten dadurch unvollständige Informationen, während bezahlte Kampagnen möglicherweise Artikel bewerben, die nicht lieferbar sind.

Für die Suchmaschinenoptimierung von Onlineshops sind eindeutige Produktnamen, stabile Artikelnummern, korrekte Varianten und strukturierte Kategorien besonders relevant. Änderungen in der WaWi sollten bestehende URLs nicht ungeprüft ersetzen. Wird aus einer internen Sortimentsänderung automatisch eine neue Produkt-URL erzeugt, können Rankings, interne Links und externe Verweise verloren gehen.

Für SEA müssen Preis und Verfügbarkeit im Produktfeed mit der Zielseite übereinstimmen. Für GEO, also Generative Engine Optimization, helfen vollständige und konsistente Produktinformationen dabei, Angebote für KI-Systeme eindeutig einzuordnen. Produktdaten aus der WaWi können zudem als Grundlage für skalierbare Texte dienen. feed2content.ai® erstellt beispielsweise Produkt- und Kategorietexte direkt aus strukturierten Feeds.

Auswahl und Einführung einer WaWi

Die passende WaWi richtet sich weniger nach der Zahl der Funktionen als nach den tatsächlichen Warenprozessen. Ein Händler mit einem Lager und einem Onlineshop benötigt andere Abläufe als ein Unternehmen mit mehreren Standorten, Chargen, Seriennummern oder internationalem Versand. Dokumentiere deshalb vor der Auswahl jeden Prozess vom Wareneingang bis zur Retoure.

Prüfe bei der Einführung mindestens diese Kriterien:

  • Unterstützte Shops, Marktplätze und Versanddienstleister
  • Abbildung von Varianten, Sets, Stücklisten oder Seriennummern
  • Regeln für Reservierungen und kanalübergreifende Bestände
  • Protokolle und Warnungen bei Schnittstellenfehlern
  • Rechte für Einkauf, Lager, Kundenservice und Buchhaltung
  • Exportmöglichkeiten und Zugriff auf die eigenen Daten

Ein häufiger Einführungsfehler ist die Übernahme ungeprüfter Stammdaten. Doppelte Artikelnummern, unterschiedliche Schreibweisen und fehlende Variantenbeziehungen werden durch eine neue Software nicht automatisch korrigiert. Bereinige die Daten vor der Migration, definiere Pflichtfelder und teste den vollständigen Ablauf mit realistischen Bestellungen, Teilstornierungen und Retouren.

Für die Vermarktung des Sortiments lohnt sich zusätzlich ein abgestimmtes E-Commerce-SEO-Konzept. Die WaWi liefert dabei die Produktdaten, während Shopstruktur, Suchintention und redaktionelle Inhalte festlegen, welche Kategorien und Produkte organisch gefunden werden.

Häufige Fragen zur Warenwirtschaft

Was kostet ein Warenwirtschaftssystem?

Die Kosten hängen vom Betriebsmodell, der Nutzerzahl, dem Funktionsumfang und den benötigten Schnittstellen ab. Berücksichtige neben Lizenzkosten auch Einrichtung, Datenmigration, Schulung, Anpassungen und laufende Wartung.

Ab wann lohnt sich eine WaWi?

Eine WaWi lohnt sich, sobald Bestände, Bestellungen oder Einkaufsvorgänge nicht mehr zuverlässig in Shop, Tabellen und Buchhaltung getrennt gepflegt werden können. Ein klares Signal sind regelmäßige Überverkäufe, manuelle Doppelpflege oder fehlende Informationen zum tatsächlichen Lagerbestand.

Kann eine WaWi mehrere Onlineshops verwalten?

Viele Warenwirtschaftssysteme können mehrere Shops und Marktplätze anbinden. Voraussetzung sind passende Schnittstellen sowie eindeutige Regeln für gemeinsame oder getrennte Lagerbestände, Preise und Auftragsnummern.

Was ist eine cloudbasierte Warenwirtschaft?

Eine cloudbasierte Warenwirtschaft wird über das Internet genutzt und auf der Infrastruktur des Anbieters betrieben. Eine lokal installierte Lösung läuft dagegen auf eigenen oder beauftragten Servern. Für die Auswahl zählen Integrationen, Verfügbarkeit, Rechtekonzept, Datenexport und Wartungsaufwand.

Ersetzt ein Shopsystem die Warenwirtschaft?

Ein Shopsystem kann einfache Bestände und Bestellungen verwalten, ersetzt bei umfangreichen Einkaufs-, Lager- und Versandprozessen aber meist keine spezialisierte Warenwirtschaft. Der benötigte Umfang hängt von Sortiment, Verkaufskanälen und Lagerstruktur ab.

Welche Daten werden zwischen Shop und WaWi übertragen?

Typischerweise übertragen Shop und WaWi Artikelnummern, Preise, Bestände, Bestellungen, Kundendaten, Zahlstatus, Versandstatus und Sendungsnummern. Welche Anwendung ein Datenfeld verändern darf, muss für jede Schnittstelle eindeutig festgelegt werden.

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