Aided Recall

Was ist gestützte Erinnerung?

Aided Recall bezeichnet die gestützte Erinnerung an eine Marke, Werbung oder Botschaft. Befragte erhalten dabei einen Hinweis, etwa einen Markennamen, ein Logo oder eine Produktkategorie, und geben an, ob sie sich an den Untersuchungsgegenstand erinnern. Das Verfahren misst, wie gut Inhalte mit einer konkreten Gedächtnisstütze abrufbar sind.

Was bedeutet Aided Recall?

Aided Recall bedeutet auf Deutsch „gestützte Erinnerung“ oder „gestützte Markenbekanntheit“. Der Begriff stammt aus der Markt-, Marken- und Werbewirkungsforschung und beschreibt eine Befragungsmethode, bei der ein Hinweis den Abruf einer Erinnerung erleichtert.

Die Methode beantwortet beispielsweise die Frage, welcher Anteil einer Zielgruppe eine Marke wiedererkennt und sich zugleich daran erinnert, bereits von ihr gehört oder Werbung für sie gesehen zu haben. Als Gedächtnisstütze können Markennamen, Logos, Slogans, Produktabbildungen oder Listen mit mehreren Anbietern dienen.

Ein typischer Anwendungsfall ist eine Befragung nach einer Werbekampagne. Den Teilnehmern wird der Name des werbenden Unternehmens genannt und anschließend die Frage gestellt, ob sie sich in einem festgelegten Zeitraum an Werbung dieser Marke erinnern können.

Wie wird die gestützte Erinnerung gemessen?

Die Messung erfolgt meistens durch eine standardisierte Umfrage. Damit die Ergebnisse vergleichbar sind, müssen Frageformulierung, Antwortmöglichkeiten, Zielgruppe, Befragungszeitpunkt und verwendete Hinweise für alle Teilnehmer einheitlich sein.

Ein einfacher Fragebogen kann beispielsweise fragen: „Erinnerst du dich daran, in den vergangenen vier Wochen Werbung der Marke X gesehen oder gehört zu haben?“ Als Antworten eignen sich „Ja“, „Nein“ und „Unsicher“. Für die eigentliche Quote werden üblicherweise nur eindeutige Ja-Antworten berücksichtigt.

Die Aided-Recall-Rate wird mit folgender Formel berechnet: Anzahl der Personen mit gestützter Erinnerung geteilt durch die Anzahl aller gültig befragten Personen, multipliziert mit 100. Erinnern sich 320 von 800 Befragten nach Nennung der Marke an die Werbung, beträgt die Quote 320 ÷ 800 × 100 = 40 Prozent.

Die Quote besitzt keinen allgemeingültigen Sollwert. Ihre Einordnung hängt unter anderem von der Bekanntheit der Marke, der Größe des Werbebudgets, der Kampagnenlaufzeit, der Medienreichweite, dem Produktsegment und dem zeitlichen Abstand zwischen Kontakt und Befragung ab.

Welche Faktoren beeinflussen den Messwert?

Ein hoher Messwert kann auf eine gut erinnerbare Kampagne hinweisen, belegt für sich allein aber weder eine positive Markenwahrnehmung noch eine Kaufabsicht. Eine provokante oder häufig ausgespielte Werbung kann stark erinnert werden, obwohl ihre Botschaft negativ bewertet oder falsch zugeordnet wird.

  • Art des Hinweises: Ein Logo kann andere Erinnerungen auslösen als ein Markenname oder eine Produktabbildung.
  • Reihenfolge der Marken: Früher genannte Antworten können durch Positionseffekte häufiger ausgewählt werden.
  • Zeitlicher Abstand: Mit wachsendem Abstand zum Werbekontakt nimmt die abrufbare Erinnerung häufig ab.
  • Kontakthäufigkeit: Wiederholte Kontakte erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass eine Marke im Gedächtnis verankert wird.
  • Ähnlichkeit der Anbieter: Austauschbare Botschaften und ähnliche Gestaltungselemente können zu falschen Zuordnungen führen.

Unterschied zwischen Aided Recall, Unaided Recall und Recognition

Der Unterschied zwischen gestützter und ungestützter Erinnerung liegt im vorgegebenen Hinweis. Beim Aided Recall wird die Marke genannt oder gezeigt. Beim Unaided Recall, auch ungestützte Erinnerung genannt, müssen Befragte den Namen ohne Auswahlhilfe selbst nennen.

Recognition bezeichnet das reine Wiedererkennen eines zuvor wahrgenommenen Reizes. Eine Person kann beispielsweise ein Logo als bekannt einstufen, ohne konkrete Einzelheiten zur Marke oder zu einer Kampagne abrufen zu können. Recall verlangt dagegen eine weitergehende Erinnerungsleistung.

MethodeDeutsche BezeichnungArt der BefragungAnforderung an das GedächtnisTypische Aussage
Aided RecallGestützte ErinnerungMarke oder Hinweis wird vorgegebenErinnerung nach einem ImpulsMarke ist mit Hilfestellung erinnerbar
Unaided RecallUngestützte ErinnerungKeine Markenliste oder sonstige HilfeFreier Abruf aus dem GedächtnisMarke ist spontan präsent
RecognitionWiedererkennungLogo, Motiv oder Name wird gezeigtBekanntheit eines Reizes erkennenReiz wurde vermutlich bereits wahrgenommen
Top of MindErstnennungErste spontane Antwort wird ausgewertetBesonders schnelle VerfügbarkeitMarke steht in der Kategorie mental an erster Stelle

Welche Bedeutung hat die Kennzahl für SEO, SEA und GEO?

Für SEO ist die gestützte Erinnerung kein direkter Rankingfaktor. Eine stärkere Markenbekanntheit kann jedoch dazu führen, dass Nutzer häufiger nach einer Marke suchen, bekannte Suchergebnisse bevorzugen oder den Markennamen mit einem Produktbegriff kombinieren. Solche Effekte lassen sich über Brand-Suchanfragen, direkte Zugriffe und die organische CTR beobachten.

Bei SEA hilft die Kennzahl, die Wirkung von Kampagnen über Klicks und Conversions hinaus zu beurteilen. Eine Anzeige kann Markenwissen aufbauen, obwohl der Nutzer nicht unmittelbar klickt. Ergänzend zu Conversion-Daten kann eine Befragung daher zeigen, ob Display-, Video- oder Suchanzeigen im Gedächtnis der erreichten Zielgruppe angekommen sind. Hinweise zur kanalübergreifenden Auswertung bietet der Beitrag über Synergien zwischen SEO und SEA.

Für GEO, die Generative Engine Optimization, lässt sich das Verfahren auf Antworten von ChatGPT, Gemini, Perplexity und anderen KI-Systemen übertragen. Eine Befragung kann untersuchen, ob Nutzer eine Marke nach dem Kontakt mit einer KI-Antwort wiedererinnern, wenn ihnen anschließend der Markenname oder das Logo gezeigt wird. Eine Strategie für Sichtbarkeit in KI-Antwortsystemen sollte solche Befragungswerte mit tatsächlichen Nennungen, Quellenverweisen und Brand-Suchanfragen verbinden.

Wie lässt sich Aided Recall in der Praxis auswerten?

Eine belastbare Auswertung vergleicht mindestens zwei Gruppen oder Messzeitpunkte. Möglich sind eine Befragung vor und nach einer Kampagne, der Vergleich zwischen Personen mit und ohne nachgewiesenen Werbekontakt oder die Gegenüberstellung verschiedener Motive und Kanäle.

Du solltest vor der Erhebung festlegen, welche Erinnerung gemessen wird. Die Erinnerung an eine Marke, ein Werbemotiv, einen Slogan und eine konkrete Botschaft sind unterschiedliche Untersuchungsziele. Eine allgemein formulierte Frage zur Marke kann deshalb nicht belegen, dass eine bestimmte Kampagnenaussage verstanden wurde.

Für die Bewertung digitaler Kampagnen empfiehlt sich eine Verbindung mit weiteren Kennzahlen. Dazu gehören Reichweite, Kontakthäufigkeit, Viewability, CTR, Brand-Suchvolumen, Conversion-Rate und Kosten pro Neukunde. Erst die gemeinsame Betrachtung zeigt, ob Aufmerksamkeit in qualifizierte Websitebesuche, Anfragen oder Käufe übergeht.

Welche Fehler verfälschen die Ergebnisse?

Suggestive Fragen können die Erinnerungsquote künstlich erhöhen. Auch zu auffällige Logos, unterschiedlich bekannte Marken in einer Auswahlliste oder unklare Zeiträume beeinflussen Antworten. Fragebogen und Reihenfolge sollten deshalb vor der Hauptbefragung mit einer kleinen Testgruppe geprüft werden.

  • Die Markenliste enthält nur den untersuchten Anbieter und keine neutralen Vergleichsmarken.
  • Die Befragung findet direkt nach dem Werbekontakt statt und misst überwiegend kurzfristige Erinnerung.
  • Teilnehmer verwechseln den Absender mit einer ähnlich gestalteten Wettbewerbsmarke.
  • Mehrfachantworten werden ohne klare Regeln als erfolgreiche Erinnerung gewertet.
  • Unterschiedlich zusammengesetzte Stichproben werden direkt miteinander verglichen.

Fragen zu deiner SEO-, SEA- oder GEO-Strategie lassen sich in einer kostenlosen Erstberatung mit einem erfahrenen Ansprechpartner einordnen.

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Häufige Fragen zur gestützten Erinnerung

Kann eine Person eine Marke gestützt erinnern, ohne Kunde zu sein?

Ja. Die Kennzahl erfasst eine Gedächtnisleistung und setzt weder einen Kauf noch eine konkrete Produkterfahrung voraus. Auch Werbung, Empfehlungen oder beiläufige Markenkontakte können eine Erinnerung erzeugen.

Wie lange nach einer Kampagne sollte die Befragung stattfinden?

Der Zeitpunkt richtet sich nach dem Untersuchungsziel. Eine frühe Befragung misst kurzfristige Werbeerinnerung, während ein größerer Abstand Hinweise auf die längerfristige Verankerung liefert. Für Vergleiche muss der Abstand bei allen Gruppen gleich sein.

Kann Aided Recall auch für einzelne Werbemittel erhoben werden?

Ja. Befragte können Hinweise zu einem Video, Banner, Slogan, Podcast-Spot oder Anzeigenmotiv erhalten. Die Frage muss eindeutig benennen, ob die Erinnerung an das Werbemittel, die Botschaft oder den Absender untersucht wird.

Ist eine hohe gestützte Erinnerung automatisch positiv?

Nein. Ein hoher Wert zeigt zunächst nur, dass ein Gedächtnisinhalt nach einem Hinweis abrufbar ist. Für die qualitative Bewertung sind zusätzliche Fragen zur Markenwahrnehmung, Botschaftszuordnung und Kaufabsicht erforderlich.

Eignet sich die Kennzahl für einen Vergleich mit Wettbewerbern?

Ja, wenn alle Marken unter identischen Bedingungen abgefragt werden. Die Reihenfolge sollte zufällig wechseln und die Stichprobe muss zur untersuchten Zielgruppe passen, damit Unterschiede nicht durch den Fragebogen oder die Teilnehmerstruktur entstehen.


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